Kontroverse Diskussionen zum Gedenkort „Plantage”

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Bündnis für Dachau lud zum 3. Themenabend

Kontroverse Diskussionen zum Gedenkort Plantage”

Das Bündnis für Dachau hatte am 24. März zu seinem 3. Themenabend unter dem Motto:
„Gedenkort ,Plantage‘ – wie geht es weiter mit dem ,Kräutergarten‘ östlich der Alten Römerstraße?“ eingeladen. Neben den ReferentInnen – darunter auch die Leiterin der KZ-Gedenkstätte-Dachau – kamen über 60 Interessierte, so auch die Stellvertreterin des Landrats, Marianne Klaffki.

Bild: Tausendblauwerk.de
Alles begann schon morgens, als Prof. Hönle, Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft zur Erfassung der Dachauer Zeitgeschichte e.V.“, 21 Roll-Up-Aufsteller der Ausstellung „Kräutergarten“ anlieferte und im Erchana-Saal des Thoma-Hauses für den Abend installierte.
Als abends um 19.30 Uhr die Veranstaltung vom Bündnis-Sprecher, Mike Berwanger, eröffnet wurde, war der Saal mit über 60 Gästen gut besetzt. Das Bündnis für Dachau hatte vier ReferentInnen zum Thema eingeladen. In gewohnt professionell-charmanter Weise führte Margot Heinze-Ehrlich,
Vorstand des Bündnis’, die Moderation des Abends.

Die „Plantage“ während der NS-Zeit

Bild: KZ-Gedenkstätte Dachau
Als erste Referentin richtete Monika Lücking (Arbeitsgemeinschaft zur Erfassung der Dachauer Zeitgeschichte) den Blick auf die Entstehung der „Plantage“ während der NS-Zeit und die damit verbundenen Greueltaten der SS. Ein besonderes Augenmerk legte sie dabei auf die inhaftierten Priester.

Die Anlage in der Nachkriegszeit

Bild: KZ-Gedenkstätte Dachau
Über den Fortgang des „Kräutergartens“ nach dem Krieg konnten gleich zwei Referenten berichten: Dass die Leiterin der KZ-Gedenkstätte, Dr. Gabriele Hammermann, und ihr wissenschaft-licher Mitarbeiter, Dr. Dirk Riedel, Zeit gefunden hatten an diesem Abend ihr Wissen zu präsentieren, erwies sich als stärkster Teil des Abends. Bild- und Wortreich wusste Dirk Riedel von den diversen Um- und Neuwidmungen des Geländes in den Jahren 1945 bis heute zu referieren. Nicht nur Dachau hat Probleme mit peripheren Anlagen abseits der Gedenkstätten, sondern auch andere ehemaligen KZ-Standorte wie z. B. Sachsenhausen oder Ravensbrück. Zum Umgang mit historischen Bauten in Gedenkstätten hatte 2013 in Dachau ein Expertensymposium stattgefunden, das sich erschöpfend diesem Thema gewidmet hatte. Gabriele Hammermann bezog dazu Stellung und stellte den soeben erschienen Tagungsband „Sanierung – Rekonstruktion – Neugestaltung“ vor, der beim Wallstein-Verlag zu beziehen ist.

Modelle zum Erhalt

Bild: Axel Feiereisen
Die Referate schloss der freie Architekt Axel Feiereisen ab mit seinen Vorstellungen, wie man die Reste der Gewächshäuser vor dem endgültigen Verfall schützen könnte. Er war 2011 vom Stadtrat beauftragt worden, Möglichkeiten einer vorübergehenden und günstigen Schutzkonstruktion zu finden. So zeigte er 3D-Simulationen zu Überdachungs-konstruktionen, Rekonstruktionen und Anlagengestaltungen. Die bildwuchtigen Ideen wurden viel bestaunt an diesem Abend.
Nach einer heftigen Diskussion, die von „Internationaler Gartenpflanzung“ bis zum Vorwurf reichten, die Stadt würde mit der Unterbringung von Obdachlosen Geld zum Fenster hinauswerfen, waren sich die Beteiligten Entscheidungsträger zumindest soweit einig, dass bald etwas geschehen müsste. Und eines wurde auch gleich vereinbart: Das Bündnis für Dachau wird in einem Jahr wieder zusammen mit der KZ-Gedenkstätte-Dachau den möglichen Fortgang bei einem weiteren Themenabend dokumentieren.

Resumee

Das Bündnis für Dachau, das sich betont für die Verantwortung Dachaus als Lernort für zukünftige Generationen einsetzt, richtet den Blick weiter:
Eine Erweiterung der KZ-Gedenkstätte um den „Kräutergarten“ würde eine Veränderung des Bildes des KZs in der Bevölkerung und auch bei den Besuchern erzwingen. Es würde deutlich zeigen, dass es nicht den abgeschlossenen Raum Konzentrationslager gab, sondern ein System, das sehr verzweigt war und weit in die zivile Welt hineinreichte.
Wer die wahre Dimension des KZ-Dachau und seine Bedeutung für den NS-Staat ermessen will, muss die „Plantage“ mitdenken.
Das Bündnis für Dachau setzt sich für ein würdiges Gedenken ein, das diese ehemalige „Plantage“ fordert. In dem Bewusstsein, dass jede Herangehensweise vom Zeitgeist geprägt ist und bei jeder Art von Sanierung und Rekonstruktion auch Geschichte gestaltet wird, hält das Bündnis eine Mischung von Lernort und angemessener Nutzung der Gebäude und Freiflächen für erstrebenswert. Wichtig ist, dass eine Entscheidung hierfür bald getroffen wird, damit eine Sanierung einzelner Gebäude noch möglich ist. An der Entscheidung über die Neugestaltung sollten die ehemaligen Häftlinge, die Gedenkstätte, die zum Thema engagierten Institutionen und Vereine, die Bürger und die Stadt Dachau als Eigentümer zusammenarbeiten.

 Mike Berwanger, Sprecher des Bündnis’

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