Dachau und das Wasser 2 – Ist die Wasserplanung auf dem MD-Gelände noch zeitgemäß?

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Auf dem ehemaligen MD-Gelände soll ein neues Stadtquartier entstehen. Ein prägendes Element der Planung ist der Mühlbach: Er soll durch das Gelände geführt und im Bereich des Mühlenforums zu einem großen, künstlich gefassten Wasserbecken aufgeweitet werden.

Eine solche Wasserlandschaft kann für das neue Quartier attraktiv sein. Aber die Grundidee dieser Planung stammt aus einem städtebaulichen Wettbewerb von 2007. Sie ist also inzwischen 19 Jahre alt.

Natürlich wurde der Entwurf seither weiterentwickelt. Trotzdem stellt sich die Frage, ob alle damaligen Ideen noch zu den heutigen Rahmenbedingungen passen.

Im ersten Teil unserer Serie „Dachau und das Wasser“ haben wir uns mit den grundsätzlichen Herausforderungen rund um Wasser, Stadtklima und Planung beschäftigt.

Die städtebauliche Grundidee für das MD-Gelände stammt aus dem Jahr 2007.

Heute stehen nur noch 2 m³/s zur Verfügung

Inzwischen ist nach Abstimmung zwischen Stadtwerken, Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt festgelegt, wie viel Wasser künftig im Mühlbach verbleiben soll.

Über das Kraftwerk Mühlbach werden dauerhaft 2,4 m³/s zugeführt. Davon fließen 0,4 m³/s über die Fischtreppe zurück in die Amper. Im weiteren Verlauf des Mühlbachs bleiben somit 2,0 m³/s. Früher wurde mit ungefähr 5 m³/s gerechnet.

Bereits 2024 wurde im Umwelt- und Verkehrsausschuss erläutert, dass das große Becken grundsätzlich auch mit 2 m³/s hydraulisch möglich sei. Gleichzeitig seien bei der geringeren Wassermenge Fließgeschwindigkeit und Fließtiefe ungünstiger und damit auch das Risiko von Ablagerungen und Fäulnisbildung höher.

Deshalb reicht uns die Aussage „technisch machbar“ nicht.

Entscheidend ist, ob ein solcher künstlich gefasster Wasserkörper auch dauerhaft sinnvoll betrieben werden kann:

  • Wird das gesamte Becken ausreichend durchströmt?
  • Wie werden Algen, Ablagerungen und mögliche Gerüche verhindert?
  • Welcher Pflegeaufwand entsteht?
  • Wer übernimmt Betrieb und Verkehrssicherung?
  • Und vor allem: Wer bezahlt das langfristig?

Bislang ist für uns nicht geklärt, bei wem diese Verantwortung und die Folgekosten später liegen.

Ein Blick auf Augustenfeld

Dachau hat bereits erlebt, dass wasserwirtschaftliche Annahmen einer großen Planung später angepasst werden mussten.

Beim Baugebiet Augustenfeld wurde die Regenwasserbewirtschaftung nach weiteren Untersuchungen neu organisiert. Gleichzeitig änderte sich auch die städtebauliche Planung: Sie wurde dichter und der öffentliche Grünzug kleiner.

Das ist kein direkter Vergleich mit dem MD-Gelände. Es zeigt aber: Wenn sich Grundlagen beim Wasser ändern, kann das Auswirkungen auf die gesamte Planung haben.

Und die Surfwelle?

Auch hier haben sich die Voraussetzungen verändert.

2024 galt die Surfwelle wegen der künftig geringeren Wassermenge praktisch als erledigt. 2026 wurde eine kleinere Variante wieder ins Gespräch gebracht. Gesichert ist sie aber weiterhin nicht.

Für eine Surfwelle wäre ein eigenes wasserrechtliches Verfahren notwendig. Zudem muss die ökologische Durchgängigkeit für Fische vollständig erhalten bleiben. Die Stadtwerke selbst wollen weder Bau noch Betrieb übernehmen.

2024 galt die Surfwelle wegen der geringeren Wassermenge praktisch als erledigt.

Ob sich mit insgesamt nur 2 m³/s überhaupt eine ausreichend breite und sportlich sinnvolle Welle herstellen lässt, ist bislang nicht nachgewiesen.

Auch das frühere Kraftwerk ist Geschichte

Das Wasserrecht des ehemaligen MD-Kraftwerks wurde bereits 2023 zurückgegeben. Die Stadtwerke planen dort kein neues Kraftwerk. Sollte dennoch eines entstehen, wäre dafür ein neues wasserrechtliches Verfahren erforderlich.

Nicht alles Alte ist schlecht – aber es darf kein Dogma sein

Das große Wasserbecken prägt das Mühlenforum, die Wege, Brücken, Freiräume und angrenzenden Baufelder. Es ist also kein nebensächliches Gestaltungselement. Deshalb sollten wir nicht nur fragen: Kann man das irgendwie bauen?

Sondern: Ist diese Wasserplanung mit den heute bekannten Rahmenbedingungen noch sinnvoll, dauerhaft betreibbar und finanzierbar?

Für uns ist der Mühlbach damit auch ein Beispiel für eine grundsätzlichere Frage beim MD-Gelände:

Welche Teile einer Planung aus dem Jahr 2007 sind heute noch richtig – und welche müssen wir 2026 neu denken?

Eine attraktive Wasserlandschaft kann ein großer Gewinn für das neue Quartier sein.

Aber Planung muss sich verändern dürfen, wenn sich die Realität verändert hat.

Mehr zum Thema: Dachau und das Wasser – Teil 1

Porträt von Kai Kühnel

Stadtrat, Bündnis für Dachau + Volt
seit 1996 Mitglied im Bau- und Planungsausschuss

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