Stadtratsinformationsfahrt Wien und Linz 2016 – Geförderter Wohnungsbau, Konversion von Industrieflächen und Verkehr

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Das Bündnis für Dachau zieht für die diesjährige Stadtratsinformationsfahrt nach Wien und Linz eine positive Bilanz. Impulse zu den Themen geförderter Wohnungsbau, Konversion von Industrieflächen und Verkehr können von Wien und Linz mitgenommen werden.  
 
Organisiert vom Büro des Oberbürgermeisters, wurden die Stadträte jeweils von sachkundigen Vertretern der Verwaltung oder der Entwicklungsgesellschaften auf wichtige Themen und Lösungen der verschiedenen Stadtentwicklungsprojekten hingewiesen. 
 
Ähnlich wie das Ballungsgebiet München, Dachau eingeschlossen, ist Wien konfrontiert mit scheinbar unendlich wachsender Nachfrage an Wohnungen, Mobilitätsbedarf etc. Auch wenn die Größenverhältnisse ungleich sind, das Bündnis ist überzeugt, einige Wiener Lösungsansätze und Konzepte können durchaus ernst genommen und als mögliche Impulse für Dachau gesehen werden. Und dies gilt nicht nur für sozial geförderten Wohnungsbau, für den Wien seit mehr als 80 Jahren mit seinen Gemeindebauten archetypisch steht. 
 

Der Karl Marx Hof – Der bekannteste Gemeindbau aus den 1920er Jahren

Selbst in bei dem aktuell ambitioniertesten Projekt, der Seestadt Aspern – hier entsteht eine komplett neue Stadt für 20.000 Einwohner mit Nahversorgung in attraktiv gestalteten Erdgeschosslagen und wohnortnahe Arbeitsplätze in ähnlich großer Anzahl wie Einwohner und U-Bahn Anschluss. Es gilt als gemeinsamer Nenner, der Wohnraum soll angemessen groß, vergleichsweise günstig und ganz wichtig, arm an Autoverkehr sein.
 

Die Seestadt Aspern – Hier die neue Einkaufstraße

 
 

Der zentrale See, derder zukünftige Mittelpunkt der Stadt Aspern sein wird

 

Durch kooperative Wohnmodelle, Mietwohnungen in großem Umfang dem Spekulationsmarkt entzogen.
Das Bündnis für Dachau möchte als ersten Punkt die Kriterienkataloge für Stadtentwicklung nennen, die als Beispiel für Dachau dienen können. Für jedes Gebiet werden städtebauliche, soziale, ökologischen und ökonomischen Leitziele definiert, nach denen die Bauentwicklung erfolgt.  Die Bauträger sind „Bewerber“ mit ihren Projekten und sind damit keine „Bestimmer“ mehr. Die Stadt behält die Fäden in der Hand. Ganz wichtig ist zu erwähnen, dass alle Projekte keine Subventionsobjekte sind. Das heißt konkret, alle Projekte sind profitabel aber durch die Bevorzugung von kooperativen Wohnmodellen in großem Umfang dem Spekulationsmarkt entzogen. 

Höfe und autofreie Gestaltung als prägendes Element der meist kooperativen Wohnbauprojekten


Stadtentwicklung ist in der öffentlichen Hand (also Politik, Verwaltung, städtischer Wohnbau) gut aufgehoben. Das Bündnis für Dachau sieht sich nach der Informationsfahrt auch darin in seiner Meinung bestätigt. Nicht nur in Wien, sondern auch bei der letzten Station der Informationsfahrt in Linz, der Entwicklung der ehemaligen Tabakfabrik in ein beispielhaftes Gewerbeareal für innovative Unternehmen, wurde dies immer wieder betont. Die öffentliche Hand hat weit größere Spielräume in Richtung Gemeinwohl orientierte Gestaltung, sie hat die Planungshoheit und kann über die Nutzungsart bestimmen. Investoren im Gegensatz müssen naturgemäß stromlinienförmige Konzepte mit hohe Renditen in kurzer Zeit umsetzen. Darum sieht es das Bündnis als unbedingt erforderlich, nochmals über die Nutzungen des MD Geländes nachzudenken.

Die Tabakfrabik Linz – Erfolgsmodell innovativer Unternehmensansiedlungen

Reduzierter Autoverkehr
Das Bündnis für Dachau sieht auch die Anstrengungen Wiens nachahmenswert, den individuellen Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren. Der renommierte Verkehrsplaner Professor Hermann Knoflacher der TU Wien hat dazu einige Hinweise parat. Er zeigte in einem Vortrag die Entwicklung Wiens aus verkehrsplanerischer Sicht. Für Dachau kann aus Bündnis Sicht festgehalten werden: man kann Verkehrsverhalten nicht durch bitten und betteln ändern. Einfache Verfügbarkeit des Autos verführt zu dessen Benutzung. Wenn ernsthaft Autoverkehr reduziert werden soll, müssen Strukturen geändert werden. Große Verkehrsprobleme können nicht durch Einzelmaßnahmen gelöst werden wenn nicht an der Ursache gearbeitet wird. Es gilt immer, die ganze Kettenreaktion und Folgen einer Maßnahme zu beachten. Das als Hinweis an das populistische Glaubensbekenntnis, durch Umgehungsstraßen Verkehrsprobleme zu lösen. Es werden lediglich Probleme verlagert. Im Übrigen gibt es kein Grundrecht auf Staufreiheit.
 
Gleichberchtigte Verkehrslösung – Begegnungszone Mariahilfer Straße
Das Bündnis besuchte die neugestaltet Mariahilfer Straße, in der eine sogenannte Begegnungszone eingerichtet wurde. Begegnungszonen oder sogenannte „Shared Space“ Bereiche zeichnen sich dadurch aus, dass ALLE Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt den Straßenraum nützen können. 
 

Die Begegnungszonen Mariahilfer Straße – Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt

Das heißt, jeder Verkehrsteilnehmer muss auf jeden anderen Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen. Es zeigt sich schon bei einem kurzen Eindruck, es funktioniert. Es ergibt sich eine überragende Aufenthaltsqualität ohne dass eine Gruppe wesentlich eingeschränkt wird.
 
Als Resümee lässt sich festhalten: Der Stadtentwicklungsgrundsatz, der sozialen, ökologischen aber auch ökonomisch nachhaltigen Grundsätzen folgt, erweitert mit dem Anspruch der reduzierten Verfügbarkeit des Autos, ist ein Modell, das auch für Dachau vorstellbar ist.

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