Quo Vadis Dachauer Moos (Teil 3) – Sind Maßnahmen zum Erhalt der Kulturlandschaft „Enteignung“ der Flächen?

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Moorschutz und Moor-Renaturierung ist ein gesellschaftliches Ziel. Festgeschrieben im Klimaschutzprogramm Bayern 2050. 

Langsam dämmert die Erkenntnis auch bei uns, mit dem Dachauer Moos haben wir ein riesiges Potential, um mit verschiedensten Maßnahmen einen positiven Effekt für Klima- und Artenschutz zu bewirken.

Jedoch an einer Maßnahme entzünden sich immer wieder die Kontroversen: Wiedervernässung von degenerierten Moorböden. Einige Wortführer schwingen sich sogar zu der These auf und behaupten, Wiedervernässung wäre „Enteignung“. Aus aktuellen Anlass dieser Blog-Beitrag. Etwas Geduld beim lesen ist aber nötig.

Frage: Was versehen Sie unter „Kulturlandschaft“? 

In der vergangenen Woche hatte der Regionalentwicklungsverein Dachau AGIL zu ihrem Workshop „Ressourcenschutz, Artenvielfalt und Kulturlandschaft“eingeladen. Für die kommende Förderperiode soll eine Entwicklungsstrategie erarbeitet werden. Darum auch der Workshop.

Zum Hintergrund. Durch den Verein Dachau AGIL ist es möglich, LEADER-Fördermittel der EU für das Dachauer Land zu akquirieren. Zitat: Gemeinsam mit den Menschen vor Ort soll der Landkreis so gestaltet werden, dass wir – und vor allem unsere Kinder – das Dachauer Land als Lebensraum weiterhin wertschätzen können. Gute Frage. Was verstehen wir eigentlich unter Kulturlandschaft?

In Wikipedia findet sich folgende Definition: „Kulturlandschaften sind vom Menschen gestaltete Landschaften, deren ökonomische, ökologische, ästhetische und kulturelle Leistungen und Gegebenheiten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, die eine kontinuierliche Entwicklungsdynamik gewährleisten und langfristig geeignet sind, Menschen als Heimat zu dienen“. 

Diese Definition deckt sich sehr mit unserer Meinung. Dazu kommt die Erkenntnis, die bäuerlich geprägte und genutzte Landschaft bis weit ins zwanzigste Jahrhundert hinein, hat zu vielfältigen Landschaftsstrukturen und durch die extensive Nutzung zu einer hohen Artenvielfalt beigetragen. Viele verschiedene Nutzungsarten, ist gleich vielfältige Landschaftselemente, ist gleich hohe Biodiversität.

Erst die Intensivnutzung, das Ausräumen der Landschaft (Stichwort Flurbereinigung) und das „Wachse oder Weiche“ hat den Damm gebrochen. Betrachtet man sich die genutzte (Kultur)Landschaft heute, so muss man starke Zweifel haben, dass immer noch ökonomische, ökologische, ästhetische und kulturelle Leistungen und Gegebenheiten in einem ausgewogenen Verhältniszueinander stehen.

Das Dachauer Moos ist gestaltete Kulturlandschaft. Doch Entwässerung und Bewirtschaftung ist extrem klimaschädlich

Der Bürgermeister Felbermeier brachte die Diskussion schnell auf das Dachauer Moos. Kein Wunder, ist er ja in Personalunion 1. Vorsitzender des Vereins Dachauer Moos e.V.

Eine der prägnantesten Kulturlandschaft bei uns ist nun mal das Dachauer Moos. Wer hat nicht die Landschaftsbilder der Maler der Dachauer Künstlerkolonie vor Augen.Bei Moor- und Moosflächen die entwässert wurden, um dort Ackerbau betreiben zu betreiben, geht es sukzessive dahin mit dem sogenannten Torfkörper – und damit auch die Klimabilanz. Die Mikroorganismen im Boden kommen an Sauerstoff und zerlegen die organische Substanz – viel schneller als sie entstanden ist. Der Boden degeneriert. Aus einem Hektar entwässertem Moorboden, der landwirtschaftlich intensiv genutzt wird, egal ob als Acker oder Wiese, gehen jährlich zirka 35 Tonnen CO2 in die Luft. Das ist ungefähr so viel wie sechs Bewohner Bayerns im Durchschnitt ausstoßen, mit allem: Heizung, Flugreisen, Stromverbrauch vom Flachbildschirm und den Birnen aus Argentinien. 

Quelle: Innovationsprojekt «Umgang mit drainierten Böden» der Kantone Aargau, Bern und Zürich
Tiefgepflügte und umgebrochen Äcker, wie es bei uns gang und gäbe ist verstärkt den Effekt auch noch.

Erhöhen des Grundwasserspiegels würde wirken.

Was nun helfen würde – die Degeneration verlangsamen und stoppen. Wie geht das? Durch die Wiedervernässung. Also das erhöhen des Grundwasserspiegels. Diese Überlegungen gibt es tatsächlich. Warum, weil Vernässung aktiver Klimaschutz ist. Wohlgemerkt, diese Maßnahme findet sich im Aktionsplan der Regierung.

Zu unserem Erstaunen schwang sich Peter Felbermeier (Bürgermeister und 1. Vorsitzender des Moos Vereins) zum vehementen Verteidiger der Landwirtschaft auf. Stellenweise dachte man den Bauernverband sprechen zu hören. Vehement kritisierte der 1. Vorsitzende des Moos Vereins die Überlegungen, eben Teile des Mooses wieder stärker zu Vernässen. 

Dabei ist die Wiedervernässung der trockengelegten Moore tatsächlich eine extrem günstige Methode den Klimagas Ausstoß zu senken. Ja selbst bei weiterer Bewirtschaftung würde eine weitere Degeneration gestoppt oder zumindest reduziert.

Viele Studien zeigen, schon ab einem Wasserstand von 30 cm unter der Bodenoberfläche fängt Klimaschutz an. Bei diesem Pegel kann man Klimaschutz und Landwirtschaft gleichzeitig betreiben: Widerstandsfähige Rinder- und Schafrassen darauf weiden lassen, Rohrglanzgras und Seggen anbauen z.B. für die Energieerzeugung und Dämmaterial. Der Fachbegriff für diese nasse Variante der Landwirtschaft heißt Paludikultur. Eigentlich sollte dem Verein Dachauer Moos, also dem Felbermeier bei diesen Plänen das Herz aufgehen. Denn eine extensive Bewirtschaftung würde eben den ursprünglichen Charakter der Kulturlandschaft Dachauer Moos wiederbringen.

Der Rundumschlag des 1. Vorsitzenden des Dachauer Moos e.V. gegen mögliche Wiedervernässung

Anders jedoch Bürgermeister Felbermeier. In einem Rundumschlag gegen die Vernässung verstieg er sich sogar zu der Behauptung, diese Maßnahmen würden zu eine quasi Enteignung der Landwirte und Grundstücksbesitzer zu führen. Das ist ein typisches Argument um den Diskurs zu stoppen. Eine argumentativ Keule, mit der Argumente von Natur- und Klimaschutz mit einem Schlag weggeputzt werden.

Zur Erinnerung, der Zweck des Verein Dachauer Moos ist u.a. Klimaschutz und die Erhaltung der Kulturlandschaft Dachauer Moos.

Im Grunde kann man abschätzen, wann keine Landwirtschaft mehr im Dachauer Moos möglich ist

Die Degeneration, der Abbau, des Moosboden ist Fakt. Die Furchtbarkeit durch die dünne Humusschicht nimm mehr und mehr ab. Im Grunde kann man ausrechnen, wann keine Landwirtschaft mehr im Dachauer Moos möglich ist. Es ist einfach einen Frage der Zeit.  Schlimmer noch. Durch falsche Bewirtschaftung z.B. durch Tiefpflügen werden untere Schichten verstärkt der Oxidation ausgesetzt. Und dem immer wieder durchgeführten „Räumen“ von Wassergräben um vermeintlich Flächen „trocken“ zu halten.  Aber je mehr die landwirtschaftlichen Kulturen in Richtung der wasserstauenden Schicht absinken, desto grösser werden die Probleme mit Stauwasser nach starken Niederschlägen.  Ein Teufelskreis, der letztlich zum kompletten Verlust des fruchtbaren Boden führt. Nicht umsonst spricht man vom „Schutzgut Boden“ und müsste höchste Priorität haben.

Fachkenntnis oder Meinung des Moos Verein Vorsitzenden?

Die oben geschilderte Fakten sind ja nicht neu. Sogar beim Bündnis Themenabend „Der Dachauer Moorschatz“ 2021 wurde z.B. darüber berichtet. 

Wir fragen uns, kennt der 1. Vorsitzende des Vereins, dessen Zweck u.a. Klimaschutz und die Erhaltung der Kulturlandschaft Dachauer Moos ist, diese Fakten nicht?

Erscheint der Erhalt des fruchtbaren Bodens als Grundlage der Kulturlandschaft Dachauer Moos als so wenig wichtig, als dass der mögliche Schutz der Flächen und sinnvolle Wiederherstellungsmaßnahmen als „Enteignung“ diskreditiert werden?

Aber, vermutlich war es nur eine unglückliche Formulierung und wir haben den 1. Vorsitzenden nur falsch verstanden.

Ist es legitim, Zweifel an der Arbeit der Vereinsführung zu hegen?

Wir denken, es ist legitim. Es muss die Frage erlaubt sein, geht es der Vereinsführung eher drum, das Dachauer Moos für Freizeit und Erholung zu erschließen als zu schützen?

Es muss die Frage erlaubt sein, ist es von den maßgeblichen Protagonisten längst ausgemachte Sache, dass bestimmte Teile des Mooses für weitere Erschließung verplant sind?

Dienen Projekte des Naturschutzes, öffentlichkeitswirksam präsentiert, eigentlich nur dazu, diese Ersterschließung nachträglich zu legitimieren?

Es wird Zeit darüber ernsthaft nachzudenken.

Das Bündnis für Dachau zweifelt immer mehr daran, dass der Verein Dachauer Moos in der derzeitigen Struktur, den öffentlich so prominent geäußerten und sich selbst gestellten Aufgaben gewachsen ist. Die Generationenaufgabe, Erhalts und Wiederherstellung der Kulturlandschaft Dachauer Moos.

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