Kinderhaus Mariä Himmelfahrt in Dachau mit Fahrrad vor dem Gebäude und der Überschrift „Der Kindergarten, der beinahe verhindert wurde“

Dachauer Rückblick: Der Kindergarten, der beinahe verhindert worden wäre

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Im September 2013 wurde das neue Kinderhaus Mariä Himmelfahrt in Dachau eröffnet. Vorausgegangen war eine ungewöhnlich harte Auseinandersetzung um den Neubau, die in einem Bürgerentscheid am 18. März 2012 gipfelte.

Der bestehende Kindergarten war sanierungsbedürftig. Der Neubau sollte nicht nur vier Kindergartengruppen zeitgemäße Räume bieten, sondern zusätzlich zwei dringend benötigte Krippengruppen schaffen.

Trotzdem formierte sich die Bürgerinitiative „Raum für Kinder“. Sie stellte die Größe der Gruppenräume, die Freiflächen, die Kosten und schließlich den gesamten architektonischen Entwurf infrage. Mit Flugblättern, Veranstaltungen und einem Bürgerbegehren wurde versucht, das bereits beschlossene Vorhaben zu stoppen.

Der Bürgerentscheid vom 18. März 2012 (SZDachau) scheiterte deutlich am notwendigen Quorum. Von 32.678 Wahlberechtigten stimmten 3.471 für einen Planungsstopp; erforderlich wären 20 Prozent aller Wahlberechtigten gewesen.

Ich habe das Kinderhaus gemeinsam mit meinem Kollegen Wolfgang Engel geplant. Als Architekt und zugleich Stadtrat stand ich damals besonders im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Die Diskussion wurde teilweise persönlich. Auch mit Zahlen und Behauptungen wurde argumentiert, die
sich später nicht bestätigten.

Entscheidend ist jedoch das Ergebnis.

Entstanden ist ein helles Kinderhaus mit vier Kindergarten- und zwei Krippengruppen (Dachauer Nachrichten), großzügigen Gruppenbereichen und deutlich mehr Betreuungsplätzen als zuvor.

In einem späteren Kostenvergleich der Dachauer Kindertagesstätten (SZ Dachau) wurden für Mariä Himmelfahrt rund 27.000 Euro je Betreuungsplatz genannt. Damit war das Kinderhaus die günstigste der damals verglichenen Dachauer Einrichtungen. Der Durchschnitt lag bei 38.349 Euro je Platz.

Der Neubau war somit weder überdimensioniert noch unverhältnismäßig teuer. Er war notwendig, funktional und wirtschaftlich.

Aus heutiger Sicht bleibt für mich dennoch die Frage, ob es in der damaligen Auseinandersetzung wirklich nur um Architektur, Freiflächen und Baukosten ging. Nach meinem Eindruck spielte auch der vorgesehene Wechsel der Trägerschaft von der Kirchenstiftung zur Caritas eine größere Rolle, als öffentlich ausgesprochen wurde.

Belegen lässt sich dieses Motiv rückblickend nicht eindeutig. Deshalb sollte es auch nicht zum Hauptthema des Beitrags werden.

Das Ergebnis dagegen steht seit 2013 in Dachau und wird täglich von Kindern, Eltern und Beschäftigten genutzt.

Kritik an öffentlichen Projekten ist notwendig. Sie sollte aber auf überprüfbaren Fakten beruhen und sich am späteren Ergebnis messen lassen.


Porträt von Kai Kühnel

Kai Kühnel ist Architekt und Stadtrat in Dachau. Gemeinsam mit Wolfgang Engel plante er das Kinderhaus Mariä Himmelfahrt. Wegen seiner beruflichen Beteiligung nahm er an den politischen Beratungen und Abstimmungen zu diesem Bauvorhaben nicht teil.

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