Quo Vadis Dachauer Moos (Teil 2) – Erschließung wird wichtiger genommen als Naturschutz

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In Teil 1 haben wir über das Selbstbild des Vereins Dachauer Moos geschrieben und Projekte aufgeführt, an denen der Verein als „Experte“ oder „Akteur“ beteiligt war und ist.

Nun wollen wir nachfragen, gibt es ein ofizielles Mandat dafür und schließlich, was wir konkret forden wie eine zukünftige Strategie zum Moos aussehen sollte.

Bei der Mitgliederversammung des Verein Dachauer Moos wollte der Landesbund für Vogelschutz – LBV konkret wissen:
Gibt es ein offizielles Mandat, um für den Landkreis zu sprechen? Und wenn ja, in welchem Gremium wurde dieses Mandat erteilt?

Wurden die Stellungnahmen und Positionen des VDM zu den Themen, die letztlich Einfluss auf das Dachauer Moos haben, allgemein abgestimmt?

Die Antwort: Nein, es gibt kein Mandat des VDM!

Landrat Löwl hat dies mit eigenen Worten bestätigt. Nein, der Verein Dachauer Moos hat kein Mandat oder in Gremien abgestimmte Haltung oder Strategien, mit denen Vorstand oder Geschäftsführer des VDM z.B. in Projekten des Stadt München oder des Planungsverband als Sprecher des Landkreises auftreten zu können. In den Projekten und Workshop vertritt der Geschäftsführer des VDM quasi seine persönliche Meinung.

Scheinbar werden die sogenannten Landschaftsvereine, also der Erholungsflächenverein e.V., Heideflächenverein e.V., Isartalverein e.V. und eben der Verein Dachauer Moos e.V. aus zwei Gründen als quasi-Hauptansprechpartner angesehen.

Zum einen, weil eben die Anliegerkommunen der genannten Flächen Mitglieder in den Vereinen sind. Ein interkommunaler „Touch“ umweht die Vereine sozusagen. Und aus einem weiteren, schlichten Grund.
Es sollen„bewährte Kooperations- und Organisationsformen“ genutzt werden. Übersetzt, weil es halt immer so gemacht wurde.

Nicht nur der Geschäftsführer, sondern auch politische Mandatsträger treten als „Meinungsführer“ auf.

Es gibt zur Rolle der politisch Mandatsträger im Verein (also die Bürgermeister und Landräte) noch einen Aspekt, der uns als auffällig erscheint.
Nehmen wir als Beispiel den Dachauer Landrat. Wenn z.B. der Landrat Löwl beim Workshop des Planungsverband München „Freiraum • Landschaft • Naherholung in der Region München“ sich zu den Themen äußert, spricht er dann als oberster Umweltschützer, weil er Vorgesetzter der Naturschutzbehörde ist. Oder als Wirtschafts- oder Tourismusförderer? Oder vertritt er gar die Interessen der Staatsregierung oder spricht er als einfaches CSU Mitglied?
Wir betrachten das als problematisch. Wir haben gelernt, es gibt keine abgestimmte Haltung. Angesichts der Wichtigkeit mancher Projekte für die Region und den Auswirkungen auf das Dachauer Moos sehen wir dieses unabgestimmte Vorgehen als nicht angemessen.

Bei überregionalen Themen und Zielrichtungen stimmt die Gewichtung nicht.

Wir finden bei den überregionalen Planungen und Konzepten (nicht nur das Moos betreffend) gibt es eine Schlagseite in der Gewichtung. Auffällig ist, prominent wird der Erhalt der Natur eingefordert – aber ein echter Schutz der Naturflächen steht in weiter Ferne. Vollmundig werden kleinteilige Einzelmaßnahmen als großartige Leistung verkauft – aber die „Lawine in Zeitlupe“ der weiteren Erschließung und intensiven Nutzung wird nicht gestoppt. Es wird von „schützen, stärken und in Wert setzen“ geredet – und meint doch „Freizeitnutzung und Naherholung“

Die großen planerischen, überregionalen Projekte (wie oben aufgeführt) aber auch der Verein verzetteln sich in „Erlebbarmachung der Landschaft“, Erstellen von „Naturschatzkarten“ und der Verwirklichung eines „Landschaftsbezogenen Wegekonzepts für den Grüngürtel“. Ziele des Naturerhalts, der Biotopvernetzung und Artenschutz, so wie in der Regionalplanung aufgeführt, ganz zu Schweigen die nun immer wichtigeren Maßnahmen für Klimaschutz etc. kommen viel zu kurz. Oder verzwergen sich in öffentlichkeitswirksamen Einzelmaßnahmen.

Gerade die Theorie, dass durch „Aufklärung “ und „Information“ der Besucherdruck „gelenkt“ werden soll, ist spätestens durch den Zustrom während der Corona Zeit widerlegt. Im Gegenteil, mit dem Argument der „Besucherlenkung“ werden Infrastrukturmaßnahmen als Naturschutzprojekt grüngewaschen.

Die Gewichtung der Aufgaben und der strategischen Ausrichtung braucht einen grundsätzliche Neuausrichtung. Sicherung und Entwickung der Mooslandschaft als Naturerbe.

Die „Sicherung und Entwickung der Mooslandschaft“ ist als Kernaufgabe quasi automatisch verbunden mit den für das Dachauer Moos formulierten Entwicklungszielen der Regionalplans München. Also warum nicht endlich die wertvollen Teile unter Naturschutz stellen?

  • Die „Sicherung und Entwicklung der Mooslandschaft“ ist als Kernaufgabe quasi automatisch verbunden mit den für das Dachauer Moos formulierten Entwicklungszielen der Regionalplans München. 
    Diesem Auftrag geschuldet soll (wie auch vom Dachauer OB Florian Hartmann angemahnt) ein 
  •  „Entwicklungsplan Dachauer Moos“ erstellt werden, der Gebiete unter Schutz stellt, die Ziele der Regionalplanung UND die Ziele des Moorschutzes im Rahmen des Bayerischen Klimaschutzgesetzes verbindet. 
  • Langfristig soll das Ziel sein: Das Dachauer Moos zu einer Klimagas-Senke und Mittelpunkt eines Biotopverbundes zu machen.
  • Als Diskussionsbasis soll das „Naturschutzfachliche Rahmenkonzept für das Westliche Dachauer Moos – Grundlagenplanung für ein Projekt im BayernNetz Natur“ von Andrea Karsch dienen. 
  • Dieses Konzept muss erweitert werden, durch die allgemein gültigen Erkenntnisse der CO2 Speicherkraft des Mooses sowie mit Maßnahmen, das weitere Degenerieren, also der weitere Verlustes von Moorboden zu stoppen. 
  • Zwei wichtiger Baustein hierfür ist die Wiedervernässung von Teilen des Mooses und die bodenerhaltende und Humus aufbauende Landwirtschaft. 
  • Maßnahmen zur von Bodenerosion durch Trockenheit und Starkregen muss zu einem gesellschaftlichen Gesamtziel werden.
  • Die Vereinsmitglieder (Bürgermeister und Landräte) setzen sich öffentlich gegen weitere Erschließung, Zersiedelung und Straßenbau auf der Restmoorfläche in allen beschließenden Gremien ein.
  • Vor einer Beteiligungen der VDM an überregionalen Projekten und Strategieplanungen z.B. des Planungsverbandes und der Stadt München, müssen zwischen der Geschäftsführung des Vereins und den Akteuren, Betroffenen und Interessenvertretungen im Dachauer Moos die Positionen und Argumentationen abgestimmt werden.
  • Keine weitere Erschließung des Mooses für Freizeitnutzung. Die Besucherlenkung muss eindeutig weg von wertvollen Naturräumen und Biotopen führen.

Das Bündnis für Dachau möchte einen Impuls geben, dass die Anlieger, Akteure, Betroffene und Interessenvertretungen im Dachauer Moos zukünftig an einem gemeinsamen Ziel, den Erhalt des Lebensraums und der Entwicklung im Sinne des Klimaschutzes und des Potentials als CO2 Speicher hinarbeiten. Es sollte zwischenzeitlich bei allen Entscheidern, Interessensverbänden, Behörden und Grundbesitzern angekommen sein – das Dachauer Moos ist ein schützenswerter Lebensraum mit riesigem Potential für Artenschutz, Landschaftsschutz, Klimaschutz und extensiver Nutzung. 

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