Verleihung des Hermann-Ehrlich-Preises 2018 an Claus-Dieter Möbs

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Ein Zeichen gegen den Privatisierungswahn

Das Bündnis für Dachau hat am vergangenen Sonntag zum vierten Mal den Hermann-Ehrlich-Preis verliehen. Er ging an Claus-Dieter Möbs, den ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden der Amperklinik, der damit für sein Engagement für eine humanere Pflege geehrt wurde. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion wurde eins klar: Eine Besserung der Situation wird erst eintreten, wenn die Klinik wieder in die Öffentliche Hand zurückgeführt wird.

Das Wohl der Patienten hatte Claus-Dieter Möbs stets im Auge, als er sich mehr als 20 Jahre lang als Betriebsrat des Dachauer Amper-Klinikums für bessere Arbeitsbedingungen des Personals, vor allem der Pflegekräfte, einsetzte. Daher wurde er am vergangenen Sonntag im vollbesetzten Ludwig-Thoma-Haus mit dem dotierten Hermann-Ehrlich-Preis geehrt. Mit der Auszeichnung für Möbs will das Bündnis für Dachau auch ein Zeichen setzen gegen die zunehmende Privatisierung und Kommerzialisierung im Gesundheitssystem, in dem Rendite oft mehr zählt als die darin arbeitenden Menschen und die Patienten.

Als Laudatorin nannte die SPD-Politikerin Ulrike Mascher, bayerische Vorsitzende des Sozialverbands VdK, Claus-Dieter Möbs einen wahren Helden des Alltags und den „Motor im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen im Krankenhaus Dachau“. Sie betonte: „Gesundheit ist kein Industrieprodukt, das durch Sparmaßnahmen zu immer mehr Renditen führen kann.“

Zum Festakt der Preisverleihung gehörte auch ein hochkarätig besetztes Podiumsgespräch. Unter der Leitung des Historikers Dr. Jürgen Zarusky diskutierten neben Ulrike Mascher und dem Preisträger, Claus-Dieter Möbs, auch der Palliativmediziner Dr. Thomas Binsack und die Vertreterin für den Gesundheitsbereich der Gewerkschaft Ver.di, Kathrin Weidenfelder. Bei der Podiumsdiskussion wird rasch klar: Für eine Verbesserung sind nicht nur mehr Pflegekräfte nötig, sondern ein grundsätzliches Umdenken in Politik und Gesellschaft wird nötig. Thomas Binsack meinte, Vorbild für eine neue Haltung zur Pflege könne die Entwicklung der Palliativstationen sein, die man als Erfolgsgeschichte bezeichnen könne. Hier stünde die Linderung der Schmerzen und das gesamtheitliche Wohl der Patienten im Vordergrund – und das brauche eben Zeit.

Stattdessen werde die Versorgung und der Anspruch auf gute Pflege pauschalisiert und in ein Budget gepresst. Für einen Patienten gebe es im Krankenhaus nur Fallpauschalen. „Dabei sieht man nicht den einzelnen Menschen, sondern nur ein Knie oder eine Hüfte“, sagt Binsack.

Dazu komme, so Ulrike Mascher, dass eine privat betriebene Klinik nach Profit strebe und nicht – wie die Öffentliche Hand – mit einer schwarzen Null oder gar weniger auskomme. Daher war die Folge, dass die Personaldecke auf ein Minimum reduziert wurde. „Man geht nur noch von Zimmer zu Zimmer, um zu sehen: Leben die noch?“, meinte drastisch dazu Claus-Dieter Möbs.

Da der Landkreis aber nur noch fünf Prozent der Anteile an der Amper-Klinik hält, hat er keinen nennenswerten Einfluss mehr. Wie könnte das Dachauer Krankenhaus wieder in die Öffentliche Hand kommen, fragte ein Besucher. Kathrin Weidenfelder nannte den Kauf durch öffentliche Organe oder den Aufbau einer Genossenschaft als Möglichkeit. Um eine Veränderung bewirken zu können, müssten aber vor allem Bürger und Politiker die Pflege so zum Thema machen, wie es das Bündnis für Dachau durch seine Preisverleihung getan habe.

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