Herr Ullmann, Herr Forster und ihre Definition des Begriffes Freiraum

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Wenn man die SZ und ihren Regionalteil in letzter Zeit aufmerksam gelesen hat, konnte einem eine gewisse Tendenz zur wahllosen Profilierung bei einigen Kommunal- politikern, die bisher inhaltlich eher weniger aufgefallen waren, nicht entgehen.
Zum einen haben wir nun endlich in Dachau einen Stadtratsreferenten für Integration, der in seinem ersten großen Interview zugibt, dass er von der Materie bisher noch nicht die große Ahnung hat und als Argumentationshilfe ständig die Position des Zeitgeschichtsreferenten bemüht (der er vielleicht gerne geworden wäre?)
Der Begriff Integration, um den es hier geht, ist vom lateinischen „integratio“ abgeleitet und beschreibt einen dynamischen, lange andauernden und sehr differenzierten Prozess des Zusammenfügens und Zusammenwachsens. Dieser Prozess besteht aus Annäherung, gegenseitiger Auseinandersetzung, Kommunikation, Finden von Gemeinsamkeiten, Feststellen von Unterschieden und der Übernahme gemeinschaftlicher Verantwortung. Integration als Vervollständigung eines unvollständigen Ganzen. Dies ist unmöglich ohne eine intensive Beschäftigung mit Kultur als Identifikationsfaktor.
Wenn nun aber derlei Bemühungen nicht von einer Bestrebung nach individuellen Freiräumen, die Personen oder Gruppen zur Entwicklung, Definition und Entfaltung ihrer Identität und Kreativität benötigen, geprägt sind, wird das angestrebte Ergebnis statt Integration schnell Assimilation (völlige Anpassung) sein.
Gilt das nur für Menschen mit Migrationshintergrund oder auch für den kulturellen Dialog zwischen den Generationen?
Als Jugendkultur werden die kulturellen Aktivitäten von Jugendlichen innerhalb einer gemeinsamen Kulturszene bezeichnet. Der Kern einer Jugendkultur ist die Etablierung einer eigenen Subkultur innerhalb einer bestehenden Kultur der Erwachsenen, da diese den Heranwachsenden keine sie befriedigenden Ausdrucksmöglichkeiten für ihr als neu empfundenes Lebensgefühl anbietet.
Diese Subkulturen bilden den kreativen Bodensatz für einen weiteren kulturellen Integrationsprozess – kulturelles Entwicklungspotential für die Zukunft.
Nun haben wir in Dachau seit neuerem einen Ort, der dafür in sehr konstruktiver Weise tatsächlich Freiraum gibt und kein Problem damit hat, sich seinerseits an Regeln zu halten.
Und ausgerechnet der Integrationsreferent fordert in seinem ersten annähernd inhaltlichen Statement, dem „Freiraum“ schleunigst „Zügel anzulegen“, sich genau anzusehen, „was für Publikum da aus und ein geht“ und die kulturell ambitionierte Einrichtung auf das Niveau eines Jugendtreffs zu reduzieren. Das ist Assimilation in Reinform.
Pikanterweise wird die Argumentation von einem Kollegen im Stadtrat gestützt, der sich in einer anderen Nummer ihres Blattes als ein Vorzeigemodell der revolutionären 68-er Bewegung in einem Atemzug mit dem rührigen und hochinnovativen Kulturpolitiker Haimo Liebich feiern lässt.
Edgar Forster ist nämlich der Ansicht, dass die Stadt da mal einen Sozialarbeiter hinschicken soll und die Entwicklungen unbedingt beobachten muss, weil Jugendliche erfahrungsgemäß mit der Organisation ihrer eigenen Kultur überfordert seien.
Wie drückt Forster seine eigenen 68-er Erfahrungen so treffend aus: „Wir sind aufgestanden und haben gesagt, ihr seid doch elende Heuchler!“ Hm!?

Karl-Michael Brand
Kunsterzieher Dachau

6 Kommentare

  1. Lieber Her Brand,waren sie schon einmal im Freiraum? Wahrscheinlich nicht, denn dann würden sie hier keinen solchen Käse schreiben.Ein besorgter Dachauer Bürger

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  2. \“Agitator ist ein Mensch, der die Obstbäume seines Nachbars schüttelt, um die Würmer umzuquartieren.\“ und wenns einer merkt, dann kommt die öffentliche Meinung oder ein \“besorgter Bürger\“ und haut drauf.

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  3. I kenn mi do ja ned so aus, weil i mein Freiraum eher am Schtammtisch findt, ober wenn mir do oana so an „Bloggwart“ hisitzn mechad, dann war i scho ganz gwiss a wenig ranzlig.Und zu dene zwoa Bolitiker kann ma eigentli blos oans sogn: Wenn ma zu an jedn Thema a Meinung absondern mechad, obwoi ma koan Dunst hod und de Zeitung no so bläd is, dass de des dann immer no druckn, so wia bei dem Diplomwirtshausführer und Mehrheitschbeschaffungsburgermoastabastler von dene freien Weberknechtln, dann muaß ma hoid aufpassn, weil ma do ganz sche vui eigane Meinungen braucht. Und wennst ned Obacht gibst, dann host an Widerschpruch… Bei dem Landhausmodenintegrationsbeauftragten is des wahrscheinlich a so, dass der se bei seine Aufgabn ned auskennt, drum sogt er wos zu am Thema, wo er se no weniger auskennt, weil er moant, dass des ned auffoid, weil er se ned auskennt – und wieder host a so a Widerschpruch.Velleicht sollerd der oane einfach in seine Bierkeller weiter umananderforschn, weil er se im Untergrund eh scho auskennt und der ander erscht nochdenga und dann sei Mei aufreissn.I bin ah a besorgter Bürger und ned wega dene langhoaradn junga Leid sondern wega dera Heuchelei bei dene Bolitiker, de wo oiwei des sogn, wo´s moana, dass des jeder Depp denga kannt, bevor´s der Depp seiba sogt, und dann nimma glaubt, dass der Bolitiker ganz alloa draufkemma is und am Schluß naus no dengt, dass er in Zukunft einfach seiba nochdenga kannt und den Bolitiker gar niemals nicht mehr braucht..Übrigens, zum Thema Heuchelei, hod mei Bua a Zitat ausm Religionsunterricht in da Schui mit hoambrocht, vom Propheten Mohammed selba: „Das Zeichen eines Heuchlers ist ein dreifaches: wenn er spricht, lügt er; wenn er verspricht, hält er nicht; und wenn er vertraut, fürchtet er.“Vielleicht kann des der Assimilationsreferent a moi braucha und wenn er dann wieder ned woaß, wer der Mohammed is, dann soll er hoid in der Schui vo meim Buam nochfragn.

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  4. Was ich diese Woche an der SZ gut finde:Dass sie in einem Kommentar am 3. Juni unter dem Titel \“Vermittlung statt Kontrolle\“ im Großen und Ganzen der Argumentation meines der Redaktion am 1.6. per Mail zugestellten Leserbriefes (siehe oben) folgt.Was ich diese Woch an der SZ schlecht finde:Dass der Leserbrief wahrscheinlich hnterher noch abgedruckt wird und damit der Eindruck erweckt wird, dass sich hier wieder einer pimperlwichtig macht, indem bereits veröffentlichte Kommentare umformuliert und nochmal an die Redaktionschickt – überflüssig wie ein Kropf.Na, ja, Schwamm drüber. Vielleicht liest die Redaktion ja wieder mal hier mit – dann äußere ich die Bitte, meinen Text jetzt nicht mehr zu veröffentlichen, weil er überflüssig geworden ist…

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