Nachruf: Bruno Schachtner (1941-2025)

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Mit tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Bruno Schachtner — einem Mitbegründer und langjährigen Wegbereiter des Bündnisses für Dachau. Sein Engagement und seine Vision haben unsere Stadt — und weit darüber hinaus — nachhaltig geprägt.

Ein Leben im Dienst von Erinnerung, Kunst und Gemeinwohl
Bruno Schachtner wurde 1941 in Dachau geboren und erlebte als Kind die unmittelbaren Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und der Verbrechen rund um das Konzentrationslager. Diese frühen Erfahrungen formten sein späteres Wirken — geprägt von dem festen Willen, Vergangenheit nicht zu vergessen, sondern verantwortlich zu erinnern.
Nach einer Schriftsetzerlehre sowie künstlerischer Ausbildung in Zürich und einer Zeit als Entwicklungshelfer in Paraguay kehrte er 1975 nach Dachau zurück und machte sich als Grafikdesigner selbstständig. Seine Arbeiten — Buchgestaltungen, Plakate, Druckgrafiken — fanden Anerkennung: Zahlreiche seiner Werke gehörten zu den schönsten Büchern Deutschlands; mehrfach wurde er ausgezeichnet.
Doch Bruno blieb nicht beim Gestalterischen stehen: Mit Leidenschaft und Überzeugung engagierte er sich kulturell und politisch — als Mitbegründer und aktives Mitglied des Bündnisses für Dachau, als Stadtrat, als unerschrockener Mahner und Brückenbauer zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Erinnerungskultur und städtische Identität — seine bleibenden Spuren
In politischer und kultureller Hinsicht setzte Schachtner Meilensteine: 1996 gründete er mit anderen das Bündnis für Dachau. Für diese Gruppierung saß er bis 2003 im Stadtrat — zeitweilig als Referent für Kultur, Fremdenverkehr und Zeitgeschichte.
Er war maßgeblich daran beteiligt, Dachau als offenen Lern- und Erinnerungsort zu gestalten. Seine Druckgrafiken und Plakatgestaltungen — darunter die Tafeln des „Wegs des Erinnerns“ — sind sichtbare Zeichen seines Einsatzes. Auch trug er dazu bei, dass der Blick auf die dunkle Geschichte der Stadt nicht verdrängt, sondern integriert wurde — und half so, Bewusstsein, Sensibilität und Verantwortung in der Stadtgesellschaft zu fördern.
Außerdem war er ein leidenschaftlicher Förderer internationaler kultureller Begegnung: Insbesondere die Beziehungen zwischen Dachau und Paraguay gehen auf seine Initiative zurück. Sein Einsatz für Dialog, Austausch und Verständigung über Grenzen hinweg war ebenso Teil seines Vermächtnisses.
Für all sein Wirken wurde er 2019 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet — eine würdige Anerkennung für ein Leben im Dienst der Gemeinschaft.

Wir verlieren einen unbeirrbaren Mahner und Gestalter — das Bündnis seinen Mitbegründer
Mit Bruno Schachtner verlieren wir nicht nur einen talentierten Künstler und engagierten Designer, sondern einen Menschen, der unermüdlich für Gerechtigkeit, Erinnerung und Solidarität eintrat. Sein Wirken war unbequem, aber notwendig. Seine Ideen waren manchmal unbequem, aber sie waren stets getragen von moralischer Klarheit und dem Wunsch nach Versöhnung und Verständnis.
Für das Bündnis für Dachau war er eine prägende Stimme, ein Gründungsvater und lebendiges Beispiel dafür, was Bürgerengagement, Verantwortung und künstlerische Gestaltungskraft bewirken können.

Dankbarkeit und Erinnerung
Wir danken Bruno Schachtner für seine unermüdliche Arbeit, seinen Mut, seine Vision und seine Menschlichkeit. Sein Vermächtnis lebt in den Straßen und Plätzen Dachaus, in unseren Erinnerungen und in unserer Verpflichtung, die Geschichte nicht zu vergessen — und unsere Stadt weiterhin mit Offenheit, Menschlichkeit und kultureller Vielfalt zu gestalten.
Möge er in Frieden ruhen. Seine Ideen, seine Kunst und sein Einsatz bleiben unvergessen.

Bernhard Sturm

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Bruno Schachtner an seinem 80. Geburtstag, 21. Februar 2021,
vor seinem Haus in Dachau Ost
Foto: © Tausendblauwerk

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