Helge Cramer, Träger des Hermann-Ehrlich-Preises 2012

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Das Bündnis für Dachau verleiht den Hermann-Ehrlich-Preis 2012 auf Vorschlag der Preisjury an Helge Cramer, TV- und Kinofilmproduzent, Autor und Regisseur von Reportagen, Kurz- und Dokumentarfilmen. Die Jury würdigt den Preisträger wie folgt:

Am 03. März 2002 wurden in Dachau die Kommunalwahlen ge- fälscht. Hermann Ehrlich hat sich nicht nur für die Aufklärung des Wahlbetrugs engagiert, er hat auch eine Chronik verfasst, aus der wir heute noch den Ablauf rekonstruieren können. Darin heißt es:

„11. Mai – Samstag
Stimmungsbild aus der Altstadt an einem sonnigen Frühlingstag. Zwei Aufnahmeteams der ARD (Monitor und Quer) drehen am Infostand des Aktionsbündnis in der Altstadt.“

Das Team der ARD-Sendung Monitor wurde geleitet von Helge Cramer. Er interviewt Betroffene und Beteiligte, dreht bei Stadtratssitzungen, dokumentiert und trägt Informationen zusammen.

Gespannt warten nach einwöchiger Arbeit die Beteiligten (Filmteam und Aktionsbündnis für Demokratie) auf die Ausstrahlung der Sendung. Doch kurz vor Ausstrahlung erreicht Helge Cramer ein Anruf beim Abschlussessen in einem Dachauer Lokal. Der Beitrag wird nicht ausgestrahlt. Warum und weshalb, wird offiziell niemandem mitgeteilt. Alle sind bestürzt, die tagelange Arbeit war für die Katz.

Ein paar Wochen später soll der Beitrag dann doch ausgestrahlt werden. Aber er ist inhaltlich nicht mehr aktuell, also muss nachgedreht werden. Wieder reist ein diesmal kleineres Team an und aktualisiert die Beiträge. Und wieder wird die Sendung nicht ausgestrahlt.

Helge Cramer ist dem Aktionsbündnis für Demokratie in Dachau genauso in Erinnerung geblieben wie Hermann Ehrlich selbst. Sein Einsatz für die Aufklärung des Wahlbetrugs war überaus engagiert und hartnäckig. Helge Cramer hat sich immer wieder kritischer Themen angenommen. Und nicht nur beim Dachauer Wahlbetrug wurden seine Beiträge unterdrückt:

Im August 1976 hatten zwei Priester im Auftrag des Würzburger Bischofs versucht, einer 23jährigen den Teufel auszutreiben; die an Epilepsie leidende Pädagogik-Studentin Anneliese Michel aus Klingenberg am Main fand dabei den Tod.
Der kirchenamtliche Hintergrund für den bischöflichen Auftrag zur Teufelsaustreibung wird auf Anweisung des damaligen BR-Chefredakteurs Rudolf Mühlfenzel aus Cramers Reportage Tod durch Teufelsaustreibung geschnitten.
Liest man die Liste von Helge Cramers Beiträgen für das ARD-Magazin Monitor, findet man immer wieder Beiträge, die in das Anforderungsprofil des Hermann-Ehrlich-Preises passen: bewusste Bürgerschaft, Zivilcourage, kulturelles und soziales Engagement. Nur eine Anforderung fehlt auf der Liste: lokaler Bezug. Doch all jene, die damals an der Aufklärung beteiligt gewesen waren, wissen, dass der lokale Bezug vorhanden war und vorhanden ist. Wenn er bisher auf keinem Papier festgehalten ist, so ist er dies spätestens mit der Verleihung des Hermann-Ehrlich-Preises an Helge Cramer.
(Filmographie siehe http://cramerfilm.de)

Die öffentliche Preisverleihung findet am Mittwoch 3. Oktober im Rahmen des Amperitivs 2012 statt (ab 16 Uhr im Echodrom).

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